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Lehrveranstaltungen – Sommersemester 2010


51001 Aristoteles’ Metaphysik: Eine Einführung (in dt. Sprache)
Jonathan Beere            VL      Di 10–12        UL 6, 1070

Wir werden große Teile von Aristoteles’ Metaphysik lesen, um zu versuchen, einen groben Überblick über den ganzen Text zu gewinnen. Wir werden uns mit den folgenden Themen befassen: Welches Projekt oder welche Projekte verfolgt die Metaphysik? Nach welchen methodologischen Prinzipien wird dieses Projekt durchgeführt? Wie begründet Aristoteles die Möglichkeit einer Wissenschaft des Seins? Wie versteht Aristoteles wahrnehmbare Substanzen? Warum haben Lebewesen einen besonderen Status als Substanzen? Warum stellt Aristoteles’ in diesem Rahmen eine Theologie dar? Wie hängt diese Theologie mit seiner Ontologie der wahrnehmbaren Substanzen zusammen?


51052 Aristoteles’ Logik (in dt. Sprache)
Jonathan Beere, Marko Malink            HS       Mo 10–12         HAN 6, 1.03

Im Mittelpunkt des Seminars steht die Syllogistik des Aristoteles (Analytica Priora 1–22). In der sog. assertorischen Syllogistik betrachtet Aristoteles Sätze wie „A kommt allem B zu“ usw. Darüber hinaus betrachtet er in der sog. modalen Syllogistik auch Sätze wie „A kommt notwendigerweise allem B zu“ oder „A kommt möglicherweise einigem B zu“ usw. Jedoch ist die modale Syllogistik wesentlich komplizierter als die assertorische und gilt als problematisch. Im Seminar werden wir beide Teile der Syllogistik behandeln und dabei auch neuere Forschungen einbeziehen. Themen werden u.a. sein: direkte Beweise, reductio ad impossibile, Ekthesis, das Problem des „existential import“, Semantik modalisierter Sätze.


51061 CURRICULUM PLATONICUM III: Platons Phaidros oder Wie liest man einen platonischen Dialog? (in dt. Sprache)
Christoph Helmig        HS       Mo 16–18         HAN 6, 1.03

Das CURRICULUM PLATONICUM ist ein Novum an der Humboldt-Universität. Die einzelnen Seminare beabsichtigen, eine vertiefende Übersicht über zentrale philosophische Themen, Autoren und Textgattungen des griechischen und lateinischen Platonismus (von Platon und seinen direkten Schülern Speusipp und Xenokrates über den lat./gr. Mittel- und Neuplatonismus bis hinein in die Renaissance) zu bieten.

Platons Dialoge sind die zentralen philosophischen Texte innerhalb der gesamten platonischen Tradition. Darum kam ihrer Auslegung besondere Bedeutung zu und darum hat man bereits in der Antike über die richtigen Methoden der Platonexegese nachgedacht. Das geht aus dem einzigen erhaltenen spätantiken Kommentar zum Phaidros, verfasst von Hermeias von Alexandrien (5. Jhd. n. Chr.), hervor. Doch schon Platon selbst reflektiert über seine literarische Tätigkeit und die angemessene Darstellungsweise philosophischer Inhalte. In dieser Hinsicht bietet der Phaidros wertvolles Material (der Mythos von der Himmelfahrt der Seele; die sogenannte Schriftkritik; das Konzept einer philosophischen Rhetorik; die „lebendigen logoi“, die der Lehrer an seine Schüler weitergibt). Nicht zuletzt hat der Dialog auch in den Diskussionen um Platons „Ungeschriebene Lehre“ eine zentrale Rolle gespielt.

Zur Vorbereitung auf das Seminar empfehle ich die gründliche Lektüre des Dialoges (in den Übersetzungen von Schleiermacher, Apelt, Hackforth, Nehamas/Woodruff oder Heitsch) und die Erstellung einer Inhalts- und Strukturübersicht. Daran anknüpfend ist zu fragen, ob der Phaidros seinen eigenen Kriterien für die Anlage und den Aufbau einer Schrift gerecht wird (Einheit des Dialoges). Die zentrale Frage geht auf die Thematik des Phaidros: Handelt es sich um eine Abhandlung über den Eros, die Rhetorik, die Seele oder die Ethik?

Die einzelnen Teile des CURRICULUM PLATONICUM bauen aufeinander auf, sind aber so konzipiert, dass interessierte Teilnehmer jederzeit einsteigen können. Auf Wunsch kann die thematische Arbeit innerhalb des cp durch eine begleitende Lektüregruppe, die sich einzelnen Autoren und zentralen Texten widmet, vertieft werden. (Gute) Griechisch- bzw. Lateinkenntnisse sind daher willkommen, Englischkenntnisse Voraussetzung für eine Teilnahme.

Literatur: M. ERLER, Platon, in: Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike 2/2 („Der neue Ueberweg“), Basel 2007, 215-223 [zur Einführung]; C. HORN/J. MÜLLER/J. SÖDER, Platon Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart 2009; E. HEITSCH, Platon. Phaidros, Übersetzung und Kommentar, Göttingen 1997; Hermeias von Alexandrien, Kommentar zu Platons „Phaidros“, übers. v. H. BERNARD, Tübingen 1997.


51062 Philosophisches Kolloquium (in engl. Sprache)
Christoph Helmig               CO       Mo 18–20 (14-tg.)       HAN 6, 1.03

Das zweimal monatlich stattfindende Kolloquium soll denjenigen Studenten, Doktoranden und Postdoktoranden, die zur spätantiken Philosophie arbeiten, ein Forum bieten, um ihre laufenden Projekte zur Diskussion zu stellen. Daneben werden aktuelle Veröffentlichungen aus dem Bereich der Neuplatonismusforschung vorgestellt und besprochen.

Die Teilnahme ist nur nach Rücksprache vor Semesterbeginn oder auf persönliche Einladung hin möglich (Christoph.Helmig@hiw.kuleuven.be).


51072 Aristoteles: Metaphysik Gamma (in dt. Sprache)
Marko Malink           HS       Di 12–14          I 110, 241

Im Buch Gamma der Metaphysikschrift bestimmt Aristoteles die Metaphysik als die Wissenschaft vom Seienden als Seienden. Er argumentiert, dass die Metaphysik trotz der mannigfachen Bedeutung des Begriffes „Seiend“ eine einheitliche Wissenschaft darstellt. In ihr Gebiet fällt z.B. das Nichtwiderspruchsprinzip, wonach ein Prädikat einem Subjekt nicht in derselben Hinsicht zugleich zukommen und nicht zukommen kann. Obgleich Aristoteles dieses Prinzip für so fundamental hält, dass es nicht ohne eine petitio principii bewiesen werden kann, unternimmt er eine ausführliche Rechtfertigung des Prinzips. Im Seminar werden wir Aristoteles’ Argumentation im Buch Gamma detailliert nachvollziehen und so seine Konzeption der Metaphysik zu verstehen versuchen. Griechischkenntnisse sind erwünscht, aber nicht erforderlich.


510991 Platons Timaios (in dt. Sprache)
Georgia Mouroutsou         HS       Mi 10–12          HAN 6, 1.03

Der platonische Timaios hat sich wie ein „erziehender Spiegel“ erwiesen, auf der Basis dessen Exegese die anschliessende Philosophie sich selbst widerspiegelt und definiert hat. Verschiedene Richtungen der modernen Platon-Deutung wurden von diesem grundlegenden platonischen Text angeregt und geprägt. Der Timaios gilt immer noch als Probestein für jeden Platon-Interpreten.

Durch den Monolog des Timaios hat Platon bewiesen, dass er nicht nur Dialoge, sondern auch Monologe verfassen kann, ohne seine Meinung über die grundsätzlichen Fragen seines Philosophierens auf dogmatische Weise zu offenbaren. Eigentlich bleibt es ein Rätsel, nur um eine bekannte Disjunktion der Platon-Exegese zu erwähnen, warum sich Platon weder in der niedergeschriebenen Schrift noch in der alten Akademie als ex cathedra Autorität über das im Platonismus unaufhörlich debattierte Problem der wörtlichen oder metaphorischen Erschaffung der Welt geäußert hat. Timaios erzählt, wie die Welt entstehen konnte oder könnte, nämlich als agonales Bezähmen der nie völlig bezähmbaren, ursprünglichen Bewegung (Tim. 30a3f.), der die Ordnung und die Schönheit abgerungen wird, was weder der Göttlichkeit des Demiurgen noch der Vollkommenheit der Welt zu widersprechen droht.

Wir werden uns auf Passagen des ersten und zweiten Teils im Monolog des Timaios konzentrieren (27c–48e und 48e–69a), ohne dabei den dritten Teil zu vernachlässigen. Wir werden Probleme der (späteren) platonischen Philosophie diskutieren, wie das Verhältnis von platonischer Ontologie und Physik sowie die platonische Seelenlehre. In jedem Schritt werden wir von gravierenden hermeneutischen Fragen herausgefordert. Wie und inwiefern sollten wir verschiedene Aspekte des erzählten Mythos entmythologisieren? Wie könnten wir eine nötige Distanz zu der wirkungsvollen aristotelischen Kritik bewahren und nicht nur die Kontinuität sondern auch gewisse Diskontinuität zwischen Platon und Aristoteles hervorheben, wie es sich unter anderem auch bei der ontologischen Fragestellung gebührt?

Sehr willkommen sind Griechischkenntnisse. Es ist empfehlenswert, dass die Teilnehmer schon vor Beginn des Seminars den ganzen Timaios lesen.


510992 Plato’s notion of chôra in Aristotle and in the later Platonic tradition (in engl. Sprache)
Christoph Helmig, Jonathan Beere      HS      Mo 12–14     HAN 6, 1.03

This continuation of the Topoi Research Seminar will be devoted to reading ancient and late ancient interpretations of Plato’s notion of chôra. We shall discuss Aristotle’s criticism of Plato and Middle Platonic readings of the Timaeus. In the second part of the semester, we shall consider in more detail Plotinus’ interpretation of the chôra in his treatise III 6 [26], ”On the Impassivity of the Bodiless“.

Knowledge of Greek is necessary. The discussion will take place in English. If you are not part of the Excellence Cluster Topoi or the Graduate School of Ancient Philosophy, please contact the instructors in advance.

5270058 Die griechische Kommentartradition zu den Ersten Analytiken des Aristoteles (in dt. Sprache)
Christoph Helmig, Elena Grigoryeva        UE        Do 12–14        FRS 191, 4026

Innerhalb der aristotelischen und platonischen Tradition sind eine Reihe von Kommentaren zu den Analytica Priora des Aristoteles auf uns gekommen (von Alexander von Aphrodisias, Ammonios, Johannes Philoponos, Elias und David). Die meisten dieser Kommentare teilen die Gemeinsamkeit, dass ihnen eine Einleitung in die aristotelische Logik vorangestellt ist. Wir wollen diese Einleitungen gemeinsam lesen, interpretieren und vergleichen. Unser Ziel soll es dabei sein, besser zu verstehen, wie das aristotelische Organon (Aristoteles’ logische Schriften) in der Spätantike gelesen wurde. Welchen Stellenwert hatte die Logik in der Philosophie insgesamt? Gab es nach den antiken Exegeten Unterschiede zwischen platonischer, aristotelischer und stoischer Logik? Wie waren die spätantiken Aristoteleskommentare überhaupt aufgebaut? Und schließlich: Welche Beziehungen oder Abhängigkeiten lassen sich innerhalb der Kommentartradition zu den Ersten Analytiken festellen?

Bibliographie: Die griechischen Kommentare zu den Analytica Posteriora sind im Berliner Corpus der Aristoteleskommentare (Commentaria in Aristotelem Graeca, CAG) herausgegeben worden. Darüberhinaus sind zu benutzen: WESTERINK, Lendert Gerrit, Elias on the Prior Analytics, in: Mnemosyne 14 (1961), S. 126–139 und S. S. AREVSHATYAN (ed.), David Armenius Meknouthiuni Werloucakann Aristotëli (Auslegung der ’Analytica‘ von Aristoteles), Eriwan 1967 (von diesem Text wird eine deutsche Übersetzung bereitgestellt werden).

Sekundärliteratur: P. HOFFMANN, What was Commentary in Late Antiquity? The Example of the Neoplatonic Commentators, in: M.-L. GILL/P. PELLEGRIN (eds.), A Companion to Ancient Philosophy (Blackwell Companions to Philosophy), Oxford 2006, S. 597–622; Simplicius: Commentaire sur les Catégories, Fasc. 1: Introduction, première partie, éd. par Ilsetraut HADOT, Leiden 1990; I. HADOT, The Role of the Commentaries on Aristotle in the Teaching of Philosophy according to the Prefaces of the Neoplatonic Commentaries on the Categories, in: H. BLUMENTHAL/H. ROBINSON (ed.), Aristotle and the Later Tradition, Oxford 1991 [= Oxford Studies in Ancient Philosophy, Supplementary volume 1991], p. 175–189; J. BRUNSCHWIG, Aristote de Stagire, Organon – tradition grecque, in: Dictionnaire des philosophes antiques, vol. I, Paris 1984, p. 482–502.

Eine ausführliche Bibliographie wird in der ersten Sitzung bereitgestellt.

5270073 Cicero, De natura deorum (in dt. Sprache)
Christoph Helmig        SE        Do 16–18        FRS 191, 4026

Ciceros schöne Schrift über das Wesen der Götter (sc. nach den antiken Philosophenschulen) ist eine gut lesbare Einführung in sein philosophisches Werk und eines der wichtigsten erhaltenen Zeugnisse zur antiken Theologiegeschichte. In insgesamt drei Büchern, von denen das letzte nur unvollständig erhalten ist, werden die Gottesvorstellungen der Epikureer und Stoiker sowie eine ausführliche Kritik (durch den Akademiker Cotta) an ihren Positionen dargestellt. Im vielbeachteten Proömium nimmt Cicero Stellung zu zeitgenössischer Kritik an seiner Tätigkeit als Verfasser philosophischer Schriften. Im Seminar wollen wir uns ein Verständnis der epikureischen und stoischen Theologie erarbeiten und gemeinsam diskutieren, wie überzeugend die von Cotta vorgebrachte Kritik ist. Daran anschließend soll uns die Frage beschäftigen, wie Cottas eigene Theologie vor dem Hintergrund seiner Kritik an den anderen Philosophenschulen zu charakterisieren wäre. Das Seminar soll darüber hinaus der vertiefenden Beschäftigung mit der Sprache der philosophischen Schriften Ciceros dienen.

Zur ersten Sitzung empfehle ich eine gründliche Lektüre des Werkes in Übersetzung und die philologische Vorbereitung des Proömiums (§ 1–17 in der Ausgabe von Plasberg/Ax) unter Zuhilfenahme des Kommentars von Andrew R. Dyck (siehe dort auch S. 204–05 zu Ciceros Prosarhythmus). Eine gute Einführung in Ciceros Philosophie bietet Woldemar Görler, „Cicero“, in: Frido Ricken (Hg.), Philosophen der Antike, Bd. 2, Stuttgart/Berlin/Köln 1996, 83–109.

Auswahlbibliographie: M. Tulli Ciceronis scripta quae manserunt omnia, fasc. 45: De natura deorum post Otto Plasberg edidit Wolfram Ax, Stuttgart (Teubner), 2. Auflage 1933 [nachgedruckt 1980]; Hugo Merguet, Lexikon zu den philosophischen Schriften Cicero’s, mit Angabe sämtlicher Stellen, 3 Bände, Jena 1877–94 [2. Nachdruck Hildesheim 1987]; Arthur S. Pease (ed.), M. Tulli Ciceronis De natura deorum libri III, Cambridge (Mass.) 1955 / 1958 [nachgedruckt Darmstadt 1968]; Andrew R. Dyck, Cicero, De Natura Deorum. Book I (Cambridge Greek and Latin Classics), Cambridge 2003 [grundlegend]; M. Tullius Cicero, Vom Wesen der Götter, lateinisch-deutsch, herausgegeben, übersetzt und erläutert von Wolfgang Gerlach und Karl Bayer, München (Tusculum), 2. Auflage 1987 [empfehlenswerte Übersetzung]; Günter Gawlick/Woldemar Görler: Artikel „Cicero“, in: Grundriss der Geschichte der Philosophie, begründet von Friedrich Ueberweg, völlig neubearbeitete Ausgabe, Die Philosophie der Antike, Bd. 4: Die hellenistische Philosophie, Basel 1994, 991–1168 [mit ausführlicher Bibliographie]; Jonathan G.F. Powell (ed.), Cicero the Philosopher. Twelve Papers, Oxford 1995.